Aktuelle Literatur und Forschungsprojekte zur psychischen Belastung in der Covid-19-Pandemie

Die aktuelle Covid-19-Pandemie geht mit zahlreichen psychischen Belastungsfaktoren einher. Auf dieser Seite stellen wir eine Auswahl aktueller Empfehlungen zum Umgang mit der psychischen Belastung, eigene Forschungsprojekte zu diesem Thema sowie eine Auswahl aktueller Veröffentlichungen in diesem Bereich vor.

(Letztes Update: 12.10.2020, 17:00 Uhr)

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Empfehlungen zum Umgang mit psychischer Belastung

Deutsch

Übersichtsarbeit mit Hinweisen zum Umgang mit psychischer Belastung in der Allgemeinbevölkerung, bei Menschen in Isolation, Kindern und älteren Menschen:
Petzold MB, Plag J, Ströhle A (2020). COVID-19-Pandemie: Psychische Belastungen können reduziert werden, Dtsch Arztebl, 117(13): A 648–54
In dieser Übersichtsarbeit werden Empfehlungen internationaler Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation, des Internationalen Roten Kreuz und der Vereinten Nationen zum Umgang mit psychischer Belastung in der Covid-19-Pandemie zusammengefasst. Dabei sind neben Empfehlungen für die Allgemeinbevölkerung auch Empfehlungen für spezifische Gruppen, wie Menschen in Isolation/Quarantäne, Kinder und Ältere enthalten. Zur Reduktion psychischer Belastungen spielen insbesondere eine Normalisierung emotionaler Reaktionen, das Aufrechterhalten sozialer Kontakte und eines gesundheitsförderlichen Lebensstils sowie eine Einschränkung ängstigenden Medienkonsums und eine Orientierung an wissenschaftlichen Fakten, eine wichtige Rolle.
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Übersichtsarbeit mit Hinweisen zum Umgang mit psychischer Belastung bei Gesundheitsfachkräften:
Petzold MB, Plag, J, Ströhle A (2020). Umgang mit psychischer Belastung bei Gesundheitsfachkräften im Rahmen der Covid-19-Pandemie, Nervenarzt, doi: 10.1007/s00115-020-00905-0
Diese Übersichtsarbeit fasst die Empfehlungen internationaler Organisationen zum Umgang mit psychischer Belastung bei Gesundheitsfachkräften im Rahmen der Covid-19-Pandemie zusammen. Dabei wird zunächst eine Übersicht über spezifische Belastungsfaktoren bei Gesundheitsfachkräften gegeben. Als wichtige Faktoren werden die Normalisierung von Stress und heftigen Emotionen, eine ausreichende soziale Unterstützung, die Aufrechterhaltung von Grundbedürfnissen und Selbstfürsorge aufgeführt.
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Deutsche Gesellschaft für Psychologie: Psychologische Coronahilfe
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) hat gemeinsam mit dem Verband universitärer Ausbildungsgänge für Psychotherapie (unith) eine Website mit Informationen zur Bewältigung der psychischen Belastung in der Covid-19-Pandemie aufgesetzt. Dort finden Sie umfangreiche Informationen für Erwachsene, Familien und Kinder- und Jugendliche.
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DGPPN: Corona – Tipps für die seelische Gesundheit
Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde hat auf ihrer Website fünf Tipps zum Erhalt der psychischen Gesundheit zusammengestellt. Dort finden Sie zudem Links zu weiteren Informationen zum Thema.
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Leibniz Institut für Resilienzforschung: Die 10 wichtigsten Empfehlungen zur Stärkung der psychischen Gesundheit während der Coronavirus-Pandemie
Das Leibniz Institut für Resilienzforschung (LRS) hat zehn praktische Empfehlungen zum Erhalt der psychischen Gesundheit auf seiner Internetseite veröffentlicht.
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Englisch

Inter-Agency Standing Committee (2020). Interim Briefing Note – Adressing Mental Health and Psychosocial Aspects of Covid-19 Outbreak – Version 1.5
Dieser Bericht des Inter-Agency Standing Committee der Vereinten Nationen gibt einen Überblick über mögliche Risiken der Covid-19-Pandemie für die psychische Gesundheit sowie Interventionsansätze um die psychische Belastung zu reduzieren. Enthalten sind sowohl Empfehlungen für die Allgemeinbevölkerung und spezifische Gruppen wie beispielsweise Kinder oder Ältere, als auch Empfehlungen für gesundheitspolitische Maßnahmen zur Reduktion der psychischen Belastung durch die Covid-19-Pandemie.
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International Federation of Red Cross and Red Crescent-Societies (2020). Mental Health and Psychosocial Support for Staff, Volunteers and Communities in an Outbreak of Novel Coronavirus
In dieser Publikation des Internationalen Roten Kreuz werden die psychischen Belastungen durch die Covid-19-Pandemie sowie der Bedarf für psychosoziale Unterstützung für Individuen und auf gesellschaftlicher Ebene beschrieben. Zudem werden spezifische Empfehlungen für Menschen in Isolation sowie die psychische Gesundheit von Gesundheitsfachkräften dargestellt.
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World Health Organization (2020). Mental health and psychosocial considerations during the COVID-19 outbreak
Diese Publikation der Weltgesundheitsorganisation enthält Empfehlungen zur Erhalt der psychischen Gesundheit in der Covid-19-Pandemie. Dabei werden spezifische Empfehlungen für die Allgemeinbevölkerung, Gesundheitsfachkräfte, Führungskräfte im Gesundheitswesen, Menschen in Isolation sowie zum Umgang mit Kindern und älteren Menschen dargestellt.
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Aktuelle Forschungsprojekte unserer Klinik

Henssler J, Stock F, van Bohemen J, Walter H, Heinz A, Brandt L. (2020). Mental health effects of infection containment strategies: quarantine and isolation-a systematic review and meta-analysis. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci. 2020 Oct 6:1–12. doi: 10.1007/s00406-020-01196-x. Epub ahead of print. PMID: 33025099; PMCID: PMC7538183.
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Liu S and Heinz A. (2020). The cross-cultural validity of psychological distress measurement during the coronavirus pandemic. Pharmacopsychiatry. Link zur Publikation

Veer IM, Riepenhausen A, Zerban M, Wackerhagen C, Engen H, Puhlmann L, … Kalisch R (2020, April 22). Mental resilience in the Corona lockdown: First empirical insights from Europe. PsyArXiv. doi.org/10.31234/osf.io/4z62t
In dieser Vorveröffentlichung (Preprint) werden erste Ergebnisse der oben beschriebenen DynaCORE-Studie vorgestellt. In der Analyse von 5000 europäischen Teilnehmer*innen wird deutlich, dass eine positive Einschätzung von Situationen ganz essentiell für mentale Resilienz ist: Personen, die tendenziell einen positiven Bewertungsstil haben zeigten in Relation zu dem Ausmaß der erlebten Widrigkeiten weniger psychologische Probleme. Die Ergebnisse geben Hinweise auf mögliche Präventions- und Interventionsmaßnahmen.
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COV-ELAN: Lebensfreude und Wohlbefinden im Rahmen von COVID-19

In der COV-ELAN-Studie interessieren wir uns dafür, wie viel Freude und Interesse Menschen noch in dieser herausfordernden Zeit erleben. Das Ziel der Studie ist es, einerseits verschiedene Ausprägungen von der Lust und Freude am Leben (Hedonie) bis zum Fehlen dieser (Anhedonie) während der Corona-Krise zu untersuchen. Andererseits möchten wir herausfinden, wie die Lebensfreude dabei mit Stress und Wohlbefinden zusammenhängt und ob sich diese Zusammenhänge im Laufe der Pandemie verändern.
Die Studienergebnisse tragen dazu bei, die psychologischen Auswirkungen der Corona-Krise besser zu verstehen und langfristig präventive Methoden zur Erhaltung der Lebensfreude weiterzuentwickeln.
Für unsere Studie haben wir die gewünschte Anzahl von Teilnehmenden erreicht und danken allen herzlich für die Unterstützung. An dieser Stelle können Sie sich zu gegebener Zeit über die Studienergebnisse informieren.
Weitere Informationen

DynaCORE – die DynaMORE-Studie zu psychologischen Reaktionen auf die Corona-Pandemie

Im Europäischen Forschungskonsortium DynaMORE arbeiten Wissenschaftler*innen daran, herauszufinden, wie Menschen mit widrigen Lebensbedingungen und Stress umgehen und welche Faktoren sie davor schützen, stressbedingte psychische Erkrankungen zu entwickeln. Stress kann von Person zu Person unterschiedliche Auswirkungen haben. Die Corona-Pandemie beeinflusst zurzeit das Leben aller Menschen in weiten Regionen der Welt und birgt die Chance herauszufinden, welche Strategien hilfreich sind, um große Herausforderungen zu bewältigen. Daher wollen wir von Ihnen wissen, wie Sie mit der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Veränderungen umgehen. Hierfür bitten wir Sie, einige Fragen zu Ihrem Erleben der aktuellen Situation zu beantworten.
In unserer Studie bekommen Sie über einen Zeitraum von sechs Wochen wöchentlich einen 12- bis 15-minütigen Fragebogen auf Ihr Smartphone geschickt. Nach diesem Zeitraum nehmen Sie als Dankeschön an einer Verlosung von Gutscheinen im Wert von 100€ teil. Wem das zu viel Aufwand ist, der kann alternativ einen einmaligen 15-minütigen Fragebogen ausfüllen. Für diese kürzere Studie gibt es leider keine Entschädigung. Sie leisten aber einen wertvollen Beitrag zur Erforschung von psychologischen Reaktionen auf die Pandemie.
Die Teilnahme an beiden Umfragen ist komplett anonym, alle Informationen erhalten Sie auf der Website des Forschungskonsortiums DynaMORE. Bitte leiten Sie diese Nachricht auch gern an Freunde, Familie und Bekannte weiter.
Wir bedanken uns schon jetzt für Ihre Unterstützung!
Link zur Studienteilnahme

Corona-Angst (CORA)

Die Arbeitsgruppe für Angsterkrankungen der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Universitätsmedizin BerlinCampus Mitte unter Leitung von Prof. Dr. Ströhle führt derzeit eine Online-Studie durch. Dabei werden in der Allgemeinbevölkerungen Ängste und Befürchtungen sowie psychische Belastungen bezüglich der aktuellen Covid-19-Pandemie erfragt.
Teilnehmen können alle Menschen, die aktuell in Deutschland wohnen, über 18 Jahre alt sind und ausreichend Deutschkenntnisse zum Ausfüllen des Fragebogens besitzen.
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Stress- und Entspannungsverhalten im alltäglichen Leben (SEA)

Diese Studie zielt darauf ab, das Verständnis des Stress- und Entspannungsverhaltens im alltäglichen Leben zu vertiefen. Stress und Entspannung können im alltäglichen Leben von Person zu Person unterschiedliche Auswirkungen haben. Das SEA-Team möchte die Umwelteinflüsse auf körperliche und seelische Reaktionen untersuchen, die durch eine extreme Situation, in diesem Fall die Corona-Pandemie, ausgelöst werden.
Weitere Informationen zur Studie

[Notiz] Der Link zur Umfrage funktioniert mit den meisten Browsern (z. B. Google Chrome, Mozilla Firefox, Safari und Microsoft Edge). Ältere Browser-Versionen könnten Probleme beim Öffnen des Links verursachen, die durch ein Update behoben werden können. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.

COVID-19-Intensiv

In Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum und dem LIR (Leibniz-Institut für Resilienzforschung) in Mainz untersuchen wir Stress- und Resilienzfaktoren der psychischen Gesundheit bei Gesundheitspersonal, das auf COVID-Stationen, Intensivstationen und in der Notfallversorgung tätig ist. Diese Erhebung dient als Grundlage dafür, Handlungsempfehlungen und Unterstützung zu entwickeln. Die Umfrage ist anonym.
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Aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen

Henssler J, Stock F, van Bohemen J, Walter H, Heinz A, Brandt L. (2020). Mental health effects of infection containment strategies: quarantine and isolation-a systematic review and meta-analysis. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci. 2020 Oct 6:1–12. doi: 10.1007/s00406-020-01196-x. Epub ahead of print. PMID: 33025099; PMCID: PMC7538183.
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Liu S and Heinz A. (2020). The cross-cultural validity of psychological distress measurement during the coronavirus pandemic. Pharmacopsychiatry. doi: 10.1055/a-1190-5029 
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Qiu J, Shen B, Zhao M, et al. (2020) A nationwide survey of psychological distress among Chinese people in the COVID-19 epidemic: implications and policy recommendations. General Psychiatry; 33:e100213. doi:10.1136/gpsych-2020-100213
In dieser ersten groß angelegten Untersuchung der chinesischen Allgemeinbevölkerung mit über 50.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern von Ende Januar bis Anfang Februar berichtete etwa ein Drittel der Bevölkerung psychische Belastungen, wobei bei etwa 5 % die Belastung sehr stark ausgeprägt war. Besonders belastet zeigten sich Frauen, jüngere Erwachsene sowie ältere Erwachsene über 60 Jahren, Menschen mit hohem Bildungsstatus sowie Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter.
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Wang C, Pan R, Wan X, Tan Y, Xu L, Ho CS, Ho RC (2020) Immediate Psychological Responses and Associated Factors during the Initial Stage of the 2019 Coronavirus Disease (COVID-19) Epidemic among the General Population in China. Int J Environ Res Public Health. 2020 Mar 6;17(5):1729. doi: 10.3390/ijerph17051729
In dieser ersten Studie zur psychischen Belastung wurden Menschen aus der Allgemeinbevölkerung untersucht. Von den 1210 Teilnehmerinnen und Teilnehmern berichtete über die Hälfte, sich durch die Covid-19-Pandemie mindestens mittel bis stark psychisch belastet zu fühlen. 16.5 % berichteten zudem mittlere bis schwere depressive Symptome, etwa ein Drittel berichtete mittlere bis schwere Angstsymptome und 8.1 % der Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten ein mittleres bis starkes Stress-Level.
Besonders belastet zeigten sich Frauen, Studierende, Menschen, die spezifische körperliche Symptome einer Covid-19-Erkrankung bei sich bemerkten sowie Menschen die ihren Gesundheitszustand als schlecht bewerteten.
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