Zentrum für Translationale Neuromodulation

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1 Mission

Das Zentrum für Translationale Neuromodulation Berlin ergänzt das stationäre und ambulante Behandlungsangebot der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (CCM) um innovative Verfahren zur gezielten Beeinflussung der Hirnaktivität mittels nicht-invasiver Hirnstimulation sowie Neurofeedback.

Bei der nicht-invasiven Hirnstimulation wird das zentrale Nervensystem über Magnet- oder elektrischen Felder von außen beeinflusst. Beim Neurofeedback befähigt ein entsprechendes Training den Patienten/Probanden, bestimmte Muster elektrischer oder metabolischer Hirnaktivität selbst zu generieren. Es wurde gezeigt, dass beide Verfahren in der Behandlung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen wirksam sein können

Ziel des Zentrums ist es, diese Verfahren in ein stimmiges Gesamt-Konzept mit psychopharmakologischen, psychotherapeutischen und psychosozialen Interventionen einzubetten und so eine individualisierte und integrative Versorgung zu gewährleisten. Dabei ist der Patientenversorgung ein klinischer und präklinischer Forschungsbereich vorangeschaltet, so dass das  Zentrum eine Plattform für klinische Translation bildet. Translation bedeutet, dass neueste Forschungserkenntnisse und Methoden in wirkungsvolle und nebenwirkungsarme Behandlungsansätze übertragen werden.  

Wenn Sie sich für eine Behandlung mittels Neuromodulation interessieren, finden Sie hier weitere Informationen.

2 Methoden

Das Zentrum bietet alle etablierten Methoden der nicht-invasiven Hirnstimulation, u.a. transkranielle magnetische und elektrische Stimulation (TMS/TES, u.a. tDCS, tACS, tRNS), sowie periphere elektrische Stimulation (u.a. transkutane Vagusnervstimulation, tVNS,  transkutane Elektrostimulation, TENS). In Kooperation mit der Klinik für Neurochirurgie sowie der Sektion Bewegungsstörungen und Neuromodulation der Klinik für Neurologie wird auch die Tiefe Hirnstimulation (THS) als individueller Heilversuch, bzw. im Rahmen multizentrischer Studien, eingesetzt.

Modernste bildgebende Verfahren, wie strukturelle und funktionelle Kernspintomographie (MRI), EEG-Quellenrekonstruktion, funktionelle Nah-Infrarot-Spektroskopie (fNIRS), Magnetoenzephalographie (MEG) sowie Positronenemissionstomographie (PET) werden mit Neuronavigationsverfahren kombiniert, um die Effektivität der eingesetzten Neuromodulationsverfahren zu maximieren.

Folgende Erkrankungen stehen im Fokus:

  • Depression
  • Schizophrenie
  • Angst- und Zwangsstörungen
  • ADHS
  • Tinnitus
  • Migräne und chronische Schmerzen

3 Translation innovativer Verfahren

Mit Hilfe bildgebende Verfahren, die elektrophysiologische und metabolische Hirnaktivität in Echtzeit darstellen, sollen Hirnstimulationsverfahren gezielt an den jeweiligen Hirnzustand angepasst werden (Thut et al., 2017). Eine solche closed-loop Stimulation (Zrenner et al., 2016) ermöglicht eine effektivere und nebenwirkungsärmer Beeinflussung krankheitsspezifischer Hirnaktivität. Die closed-loop Stimulation ist aktuell sowohl mit repetitiver TMS (rTMS) als auch mit TES möglich. Im Rahmen multizentrischer Studien (Partner-Zentren: Universitätsklinikum Tübingen und Mainz) untersuchen wir diese Verfahren aktuell in ihrer klinischen Wirksamkeit bei Depressionen. Mit Hilfe eines dreistufigen Verfahren sollen strukturelle und funktionelle neuroplastische Prozesse angestoßen werden, die zu einer Normalisierung gestörter Hirnfunktionen und somit Verringerung krankheitsspezifischer Symptome führen: Mittels einer open-loop Stimulation werden Stimulationsparameter identifiziert, die zu einer zuverlässigen Veränderung von Hirnfunktionen (Aufmerksamkeitsleistung, Emotionskontrolle, Gedächtnis) führen. In einem zweiten Schritt werden die physiologischen Korrelate dieser veränderten Hirnfunktionen auf individueller Ebene charakterisiert (Witkowski et al., 2016; Soekadar et al., 2013; Soekadar et al., 2016). In einem dritten und letzten Schritt erlernen die Probanden diese physiologischen Korrelate mittels Neurofeedback gezielt zu regulieren (Ruiz et al., 2013; Ruddy et al., 2018; Liew et al., 2016) während eine adaptive brain-state informed (d.h. vom jeweiligen Hirnzustand abhängige) Stimulation sie dabei unterstützt. In Tiermodellen werden Mechanismen und innovative Anwendungen der nicht-invasiven Neuromodulation im Rahmen neuer Indikationsstellungen oder als präventive Intervention untersucht und für die klinische Translation vorbereitet (Rummel et al., 2016; Hadar et al., 2019; Hadar et al., 2016; Hadar et al., 2018; Edemann-Callesen et al., 2015; Edemann-Callesen et al., 2018).

4 Zusammenarbeit mit anderen Kliniken am Campus Charité Mitte (CCM) / Nationale und internationale Kooperationen

Das Zentrum für Translationale Neuromodulation arbeitet eng mit der Klinik für Neurologie und experimenteller Neurologie (Prof. Dr. med. Mathias Endres), der Sektion für Bewegungsstörung und Neuromodulation (Prof. Dr. A. Kühn), dem Berlin Center for Advanced Neuroimaging (BCAN) (Prof. Dr. J.-D. Haynes), sowie der Klinik für Neurochirurgie (Prof. Dr. P. Vajkoczy) und der Klinik Medical Park Humboldmühle (Prof. Dr. Martin Ebinger) zusammen.

Es bestehen nationale und internationale Kooperationen mit

  • Prof. Dr. med. Ulf Ziemann (Universitätsklinik Tübingen, Abt. für vaskuläre Neurologie)
  • Dr. med. Christoph Zrenner (Universitätsklinik Tübingen, Klinik für Psychiatrie
  • Prof. Dr. Til Ole Bergmann (Universität Mainz, Deutsches Resilienz Zentrum)
  • Dr. med. Florian Müller-Dahlhaus (Universitätsklinik Mainz)
  • Leonardo G. Cohen, MD (Human Cortical Physiology and Neurorehabilitation Section, National Institute of Neurological Disorders and Stroke, NINDS, Maryland, USA)
  • Prof. Dr. med. Frank Padberg (LMU München, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie)
  • Prof. Dr. med. Michael Nitsche (Leibniz Institut für Arbeitsforschung, Dortmund)
  • Prof. Dr. med. Christian Plewnia (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Tübingen)
  • Prof. Dr. med. Andreas Fallgatter (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Tübingen)
  • Hagai Bergmann, MD (Hebrew University of Tel Aviv, Israel)
  • William T. Regenold, MD (University of Maryland, Baltimore, USA)

5 Team

Am Zentrum für Translationale Neuromodulation arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Wissenschaftlern und Ingenieuren.

Ärztliche und wissenschaftliche Leitung
Prof. Dr. med. Surjo R. Soekadar (Leiter der Arbeitsgruppe Klinische Neurotechnologie)
Prof. Dr. med. Christine Winter (Leiterin der Arbeitsgruppe Experimentelle Psychiatrie)

Team / Assoziierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Dr. med. Merve Fritsch
Dr. med. Sophia Chrysanthou (Ärztin)
Dr. Ravit Hadar, MSc (Wissenschaftliche Mitarbeiterin)
Khaled Nasr, MSc. (Ingenieur, Computational Neuroscience)
David Haslacher, MSc. (Computational Psychiatry, Artificial Intelligence)
Anne Wrana (MTA)

Prof. Dr. med. Surjo R. Soekadar ist Einstein Professor für Klinische Neurotechnologie an der CharitéUniversitätsmedizin Berlin. Nach seinem Medizinstudium an den Universitäten Mainz, Heidelberg und Baltimore wurde er im Jahr 2005 am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim promoviert. Neben seiner fachärztlichen Weiterbildung an der Universitätsklinik Tübingen verbrachte er einen dreijährigen Forschungsaufenthalt am National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS) in den USA. Nach seiner Rückkehr übernahm er die Leitung der Arbeitsgruppe „Angewandte Neurotechnologie“ und wurde 2017 an der Universität Tübingen habilitiert. 2017 übernahm er die oberärztliche Leitung eine Spezialstation für affektive Erkrankungen und wechselte 2018 an die Charité Berlin. Surjo Soekadar hat mehr als 10 Jahre Erfahrung im klinischen Einsatz von nicht-invasiver Hirnstimulation und Neurofeedbackverfahren. Seine psychotherapeutische Ausbildung umfasste sowohl verhaltenstherapeutische als auch tiefenpsychologische Verfahren.  

Prof. Dr. med. Christine Winter leitet seit 2005 das Labor für Experimentelle Psychiatrie an der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Sie studierte Psychologie und Politikwissenschaften in Oxford, und Medizin in Göttingen und Heidelberg, wo sie 2001 auch promovierte. Nach einer zweijährigen Weiterbildung im Bereich Neurologie an der CharitéUniversitätsmedizin Berlin wechselte sie 2004 in den Bereich Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité CCM 2010 wurde sie auf eine Professur für Experimentelle Psychiatrie an die Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, TU Dresden berufen.  Seit 2018 ist Frau Professor Winter wieder an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité Mitte mit mitgliedschaftlicher Stellung an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. Als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie liegen ihre psychotherapeutischen Schwerpunkte in der klinischen Ausübung in der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie (DIREKT – The Albert Ellis Institute, New York) und Acceptance Commitment Therapie nach S.C. Hayes (AWP Berlin).

6 Publikationen


7 Drittmittelförderung

Die wissenschaftlich-translationale Arbeit des Zentrums wird durch den Europäischen Forschungsrat (ERC), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Einstein Stiftung unterstützt.