Forschungsprojekte - AG Suchtmedizin

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Forschungsverbund AERIAL

Der Forschungsverbund AERIAL ist einer von neun Verbünden im Rahmen des BMBF geförderten Forschungsnetzes zu psychischen Erkrankungen. Mit dieser Fördermaßnahme unterstützt das BMBF die psychiatrische Forschung in Deutschland.

Im Forschungsverbund AERIAL (Addiction: Early Recognition and Intervention Across the Lifespan) arbeiten Wissenschaftler aus den neun Standorten  Berlin, Dresden, Greifswald, Hamburg, Hannover,  Lübeck, Mannheim, Potsdam und Tübingen zusammen, um neue Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten bei Suchterkrankungen zu erforschen. Diese Erkrankungen gehören zu den häufigsten und kostenintensivsten Erkrankungen in westlichen Industrienationen. Bestehende Interventionen greifen oft u spät, erreichen zu wenige der Betroffenen oder sind nicht auf die Besonderheiten von Geschlecht, Alter, affektiven Störungen sowie individuellen Belastungsfaktoren der Betroffenen zugeschnitten. Ziel des AERIAL Konsortiums ist es, aus der Grundlagenforschung heraus wissenschaftlich begründete Konzepte für eine breit verankerte Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Suchterkrankungen zu erarbeiten und Vorschläge zu deren wissenschaftlich-adäquaten Implementierung zu unterbreiten.

Weiterführende Informationen zu uns und unserer Forschung finden Sie auf unserer Website.


Reaktivität auf substanzbezogene und alternative Belohnungsreize und kognitiver Kontrolle in Personen mit Substanz-Konsum-Störung: Psychologische und neurobiologische Korrelate und nicht-pharmakologische Interventionen

Ein Bias für Substanz-bezogene Belohnungen zu Lasten alternativer Belohnungen wird als Schlüsselfaktor in der Entstehung und Aufrechterhaltung von Substanz-bezogenen Störungen betrachtet. Auf psychologischer Ebene ist dieser Bias durch vermehrtes Verlangen (Craving) nach der Substanz und vermindertes Verlangen nach alternativen Belohnungen charakterisiert. Auf neuraler Ebene spiegelt sich dieser Bias wider in einer Sensitivierung des mesokortikolimbischen Belohnungssystems (ventrales Striatum, medialer präfrontaler Kortex, Amygdala) gegenüber Substanz-bezogenen und eine Desensitisierung gegenüber alternativen Belohnungsreizen wider.

Ein anderer Schlüsselfaktor in der Entstehung und Aufrechterhaltung von Substanz-bezogenen Störungen ist verminderte kognitive Kontrolle.  Auf neuraler Ebene ist verminderte kognitive Kontrolle repräsentiert in strukturellen und funktionellen Veränderungen des präfrontalen Kontrollnetzwerks, zu dem dorsolaterale, ventrolaterale und dorsomediale präfrontale Areale sowie das anteriore Cingulum gehören. Wir erwarten, dass kontrollierter Substanz-Konsum bzw. die Rückkehr zu einer Kontrolle des Substanzkonsums verbunden sein kann sowohl mit (1) einer Modifikation der Reaktivität auf Substanz-bezogene und alternative Belohnungsreize als auch mit (2) einer Verbesserung von kognitiver Kontrolle.

Mehrere Studien unserer Gruppe untersuchen psychologische und neurobiologische Korrelate von Belohnungsverarbeitung und kognitiver Kontrolle bei Personen mit Substanz-Konsum-Störung. Ein Schwerpunkt liegt dabei darauf zu untersuchen, wie neue nicht-pharmakologische Interventionen bei Substanz-Konsum-Störung beobachtete Veränderungen von Belohnungsverarbeitung und kognitiver Kontrolle modifizieren können.

Publikationen