AG Spielsucht

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Leitung

Prof. Dr. Dipl.-Psych. N. Romanczuk-Seiferth
Dipl.-Psych. C. Mörsen

Mitarbeiter

Dipl.-Psych. Alexander Genauck
cand. M.Sc. Milan Andrejevic
cand. M.Sc. Katharina Brehm
cand. M.Sc. Sarah de Vries
cand. M.Sc. Laura Thomas

Arbeitsgruppe Spielsucht

Die AG Spielsucht untersucht die Mechanismen der Entstehung und Aufrechterhaltung von nichtstoffgebundenen Süchten (Verhaltenssüchten), insbesondere der Glücksspielsucht, und Phänomene wie exzessive Internetnutzung (z.B. Computerspiel). Die Forschungsmethoden umfassen behaviorale Studien, bildgebende (fMRT, PET, EEG) und psychophysiologische Untersuchungen, Verhaltensanalysen, psychometrische und epidemiologische Untersuchungen bei verschiedenen Stichproben in der Bevölkerung sowie Therapie- und Versorgungsforschung. Die Forschungsarbeiten der AG werden von verschiedenen Förderinstitutionen, wie z.B. dem Bernstein Center for Computional Neuroscience (BCCN) oder der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin gefördert.

Hintergrund

Abhängigkeit von psychotropen Substanzen stellt weltweit eine der am häufigsten auftretenden psychischen Störungen dar. Zentrale Merkmale der stoffgebundenen Abhängigkeit sind Kontrollverlust über das Ausmaß des Konsums, starkes Verlangen eine Substanz zu konsumieren, fortgesetzter Substanzkonsum trotz Nachweis eindeutiger Schäden sowie Entzugssymptome und Toleranzentwicklung. Über die rein körperliche Abhängigkeit von der Substanz hinaus, stehen auch bei der stoffgebundenen Abhängigkeit Merkmale der psychischen Abhängigkeit im Vordergrund, die ein erneutes Auftreten der Störung nach einem körperlichen Entzug erklären können. Eben jene Merkmale können auch bei exzessiv betriebenem Verhalten wie pathologischem Glücksspiel auftreten. Diese Störungen werden den stoffungebundenen Abhängigkeiten oder Verhaltenssüchten zugeordnet. Neuere Erkenntnisse über das Belohnungssystem des Gehirns legen nahe, dass es für das Gehirn unerheblich ist, ob eine Belohnung auf der Zufuhr chemischer Substanzen oder auf Erfahrungen mit bestimmten Aktivitäten beruht. Demnach basiert der psychotrope Effekt der Verhaltenssüchte auf körpereigenen biochemischen Veränderungen, die sich im Laufe der Suchtentwicklung einstellen.


Das pathologische Glücksspiel bzw. die Glücksspielsucht ist die bislang am besten beschriebene und empirisch erforschte Verhaltenssucht. Bereits 1561 beschrieb der flandrische Arzt Pasqual Joostens das süchtige Spiel mit den damals beim Volk äußerst beliebten Würfeln. Somit birgt das Spiel mit dem zufälligen Glück als ein Unterhaltungs- und Freizeitvergnügen seit jeher auch die Gefahr des unkontrollierten, süchtigen Glücksspiels mit gravierenden psychosozialen Konsequenzen für den Betroffenen und dessen Angehörige. Als Glücksspiel werden Spiele definiert, bei denen ein Vermögenswert durch den Spieler eingesetzt wird und die Entscheidung über Gewinn oder Verlust ausschließlich oder vorwiegend vom Zufall und nicht von der Fähigkeit oder dem Geschick des Spielers abhängt. Formen des Glücksspiels umfassen z.B. Geldspielautomaten, Roulette, Black Jack, Baccara, Zahlenlotto, Toto und Sportwetten, wobei das Risiko ein problematisches Spielverhalten zu entwickeln, bei den einzelnen Formen unterschiedlich hoch ausgeprägt ist.


Phänomene wie exzessives Computerspielen, intensive Nutzung des Internets und sozialer Medien, häufiges Einkaufen und exzessive sportliche oder sexuelle Aktivitäten können ebenfalls zu psychischen und sozialen Belastungen führen. Unklar ist bislang, ob es sich bei derlei Phänomenen, wenn sie zu psychischem Leid und Einschränkungen bei den Betroffenen führen, um eine (eigenständige) Erkrankung handelt.


Der Computer als Medium ist zu einem ständigen Begleiter in unserem Berufsleben und vor allem auch in der Freizeit geworden. Online- und Internetaktivitäten  am Computer oder Smartphone sowie auch Computer- und Videospiele finden immer größere Verbreitung. Mit wachsender Nutzung des Mediums Computer werden jedoch auch zunehmend problematische Nutzungsmuster im Zusammenhang mit dem Computer bzw. Internet beschrieben, die Verhaltenssüchten ähnlich sein können, wobei deren genaue Entstehung und deren mögliche Einordnung im Kontext bisher bekannter psychischer Erkrankungen bisher wissenschaftlich unklar bleibt. Exzessive Internetnutzung wird phänomenologisch weiter unterteilt, je nach Art der Onlineaktivitäten, z.B. Nutzung von Online-Computerspielen, Online-Pornographie, Cybersex, soziale Netzwerke, Online-Bekanntschaften/ Chats, Online-Glücksspiele, exzessiver Online-Handel, exzessive Informationssuche usw. Die in der Literatur bisher am häufigsten untersuchte Nutzungsform ist das Online-Computerspielen.



Für weitere Informationen zum Phänomen Glücksspiel sowie exzessive Internetnutzung, zur AG Spielsucht, zu aktuellen Forschungsprojekten und Publikationen siehe http://ag-spielsucht.charite.de/.