AG Empathie und interpersonelle Prozesse

Sie befinden sich hier:

Soziale Kognition ist eine grundlegende Voraussetzung für die Interaktion mit bedeutsamen Anderen und das Leben in sozialer Gemeinschaft, aber auch für die Entwicklung von Selbstreflexivität. Hierzu gehören u. a. Prozesse wie die der Empathie, also der Fähigkeit, die Gefühle anderer Menschen zu teilen, und der "Theory of mind" (oder des Mentalisierens), also der Fähigkeit, eigene und fremde mentale Zustände wie Wissen, Gedanken oder Absichten kognitiv zu repräsentieren. Diese Vorgänge ermöglichen Perspektivübernahme und Vorhersage von Verhalten ebenso wie zwischenmenschliche Fürsorge und Prosozialität. Wichtige Einflussgrößen stellen beispielsweise allgemeine kognitive Funktionen, die Möglichkeit der Emotionsregulation und das Unterscheidungsvermögen zwischen eigenem und fremdem Erleben dar.

Patienten mit Psychosen berichten manchmal über eine veränderte Wahrnehmung sozialer Situationen. In Zufälligem werden Bedeutungen erkannt, soziale Stimuli werden in veränderter - oft bedrohlicher - Weise interpretiert. Darüber hinaus können psychotische Menschen in emotionalen Situationen scheinbar kalt und unbeteiligt wirken, oder sie schildern sich als von Gefühlen überflutet und gestresst. Bisherige Forschungsergebnisse legen eine Alteration von ToM und Empathie bei Schizophrenien nahe, die einerseits die Entstehung von Symptomen wie Wahn bedingen könnte, andererseits aber die soziale Funktion und Prognose entscheidend beeinflusst.

Ebenso wie die Repräsentation fremder mentaler Zustände gehören auch das Reflektieren und die Entwicklung einer kohärenten Vorstellung über eigene mentale Prozesse wie auch die Bildung einer narrativen Identität zu den wichtigen metakognitiven Funktionen, welche im Verlauf einer psychotischen Erkrankung Veränderungen unterworfen sind.

Frühe und aktuelle soziale Interaktionserfahrungen prägen entscheidend die menschliche Fähigkeit zu Empathie und ToM. Daher können Störungen der Mentalisierungsfunktion durch psychotherapeutische Behandlung  beeinflusst werden.

Die AG Empathie und interpersonelle Prozesse beschäftigt sich mit der Frage, wie sich unterschiedliche Aspekte von ToM, Empathie und prozialem Verhalten, aber auch von Selbstreflektion und Einsicht methodisch erfassen lassen und welche Schlüsse sich daraus über soziale Informationsverarbeitungsprozesse von Menschen mit einer schizophrenen Psychose  ziehen lassen.

Dabei werden Patienten mit Schizophrenien und anderen Erkrankungen, deren Angehörige und gesunde Kontrollprobanden mit verschiedenen neurowissenschaftlichen Untersuchungsmethoden, wie Verhaltensexperimenten, Selbstbeurteilungsverfahren, Verfahren der funktionellen und strukturellen Bildgebung (fMRT, MRS, DTI), Elektroenzephalographie und genetischen Tests, untersucht.

Schwerpunkte umfassen

- die differenzierte behaviorale Erfassung sozial-kognitiver und metakognitiver Prozesse,

- die Untersuchung von deren neurobiologischen, funktionellen und genetischen Korrelaten und

- die Erforschung der Effektivität von Therapiestrategien, die Mentalisierungsvermögen und soziale Interaktionsprozesse beeinflussen können.

 

Darüber hinaus beschäftigt sich die AG mit der Erleben und den Vermeidungsmöglichkeiten psychiatrischer Zwangsmaßnahmen, mit der Evaluation neuer psychiatrischer Versorgungsmodelle und der Rolle von Religiosität und Spiritualität bei Menschen mit Psychosen.

Eine enge Zusammenarbeit besteht mit dem Forschungsbereich Bildgebung, der AG Experimentelle Psychopathologie, dem Forschungsbereich Soziale Psychiatrie und Versorgung, der International Psychoanalytic University (IPU Berlin), dem Kolleg Kunsttherapie der Kunsthochschule Berlin Weißensee und dem Dachverband Deutschsprachiger PsychosenPsychotherapie (DDPP).

Aktuelle Forschungsprojekte

Doktoranden/ Diplomanden

  • Katja Bahcesular
  • Samuel Bayer
  • Gianna Bertram
  • Sarah-Elisabeth Biederbick
  • Lasse Brandt
  • Eva-Maria Brockmann
  • Anna-Lena Bröcker
  • Jacob Funcke
  • Patrick Giemsa
  • Laura Haase
  • Tabea Kaisers
  • Sandra Just
  • Juliane Mielau
  • Johanna Schöner
  • Lucas Guilherme Speck
  • Zoe Strasser

Infoblatt Therapeutensuche zur Studie Psychodynamische Psychosen-Psychotherapie

Patienten gesucht! Studie zur Wirksamkeit psychodynamischer Psychotherapie bei Psychosen