AG Affektive Störungen - Depression und Manie

Schwerpunkte der Arbeitsgruppe "Affektive Störungen" sind die Langzeitbeobachtung von Patienten unter phasenprophylaktischer Therapie, die Entwicklung und Erprobung innovativer Therapiestrategien bei depressiven und bipolaren (d.h. manisch-depressiven) Erkrankungen, die Untersuchung neurobiologischer Grundlagen emotionaler Verarbeitung bei Gesunden und Patienten mit affektiven Erkrankungen, die Untersuchung von Wirkmechanismen phasenprophylaktischer Substanzen, die Evaluierung von Maßnahmen zur Therapieoptimierung bei therapieresistenten unipolaren und bipolaren affektiven Erkrankungen.

Sie befinden sich hier:

Stationäres Angebot

Station 152a: allgemeinpsychiatrische Aufnahmestation für affektive Störungen am Charité Campus Mitte 

Übersicht Forschungsschwerpunkte

Personalisierte Medizin und Pharmakotherapie bei therapieresistenter Depression

Depressionen gehören zu den bedeutendsten Volkskrankheiten – im Jahr 2030 vermutlich führende Volkskrankheit weltweit, gemessen in DALYs, disability adjusted life-years. Auch nach Einführung neuerer selektiver Medikamente und störungsspezifischer Psychotherapien gehen Depressionen zu einem beträchtlichen Teil komplizierten oder therapieresistenten Verläufen einher. Rund zwei Drittel der Patienten erreichen nach einer ersten Antidepressiva-Monotherapie nicht das Therapieziel Vollremission und bedürfen weiterführender Eskalationsmaßnahmen. Nach 2 adäquaten Versuchen ist immer noch ein gutes Drittel nicht genesen, nach 3 Versuchen immerhin noch 15%. Depressionen verursachen mehr Kosten für unser Gesundheitssystem als jede andere Volkskrankheit. Sie ist darüber hinaus ein Hauptrisikofaktor für Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und Demenzen. Wir entwickeln und evaluieren systematische Therapiealgorithmen zur Vermeidung und Überwindung therapieresistenter Verläufe und zur Optimierung des Behandlungsergebnisses. Zudem untersuchen wir einzelne Strategien, z.B. die Lithiumaugmentation, auf Biomarker, die einen personalisierten Einsatz im Rahmen komplexer Behandlungspfade ermöglichen sollen. Die Identifizierung von Faktoren, die einen ungünstigen Krankheitsverlauf befördern, gehört ebenso zu den Schwerpunkten der Arbeitsgruppe. So etwa konnten wir, wie andere Arbeitsgruppen zeigen, dass Patienten mit ängstlicher Depression schlechter auf die angebotene Behandlung ansprechen.

(Leiter: PD Dr. med. Adli, Dr. med. Ricken)

Untersuchung neurobiologischer Grundlagen emotionaler Verarbeitung bei Gesunden und Patienten mit affektiven Erkrankungen

Eine zentrale Frage der Emotions- und Persönlichkeitsforschung betrifft die Funktion von Hirnregionen, welche bei Emotionen, kognitiven Funktionen (z.B. Gedächtnis, Selbstreferenzialität), der Verarbeitung von Außenreizen, der Entwicklung und Kontrolle von emotional getriggerten Handlungsimpulsen und dem Umgang mit Belohnungen eine Rolle spielen. Störungen in diesen Prozessen nehmen vermutlich eine Schlüsselrolle in der Entstehung von affektiven Erkrankungen (z.B. Depression), Persönlichkeitsstörungen und Abhängigkeitserkrankungen ein. 

Die von unserer Arbeitsgruppe verwendeten Methoden zur Untersuchung von Gehirnfunktionen sind unter anderem die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT), die transkranielle Magnetstimulation (TMS) und die Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Hierbei werden gesunden und kranken Probanden emotional valente Reize wie zum Beispiel Fotos, Belohnungssignale, Musik oder Worte präsentiert. Die Probanden führen dazu spezielle Aufgaben aus, wie emotionale Bewertung oder Beurteilung der persönlichen Beteiligung. Abhängig von Stimulusmaterial und Aufgabe können wir spezialisierte Hirnregionen oder Netzwerke in ihrer Funktion bzw. Dysfunktion anregen und untersuchen.

Diese Studien dienen einerseits einem besseren Verständnis der Pathophysiologie affektiver Erkrankungen. Andererseits sollen bildgebende Verfahren dafür eingesetzt werden, Therapieverfahren zu individualisieren und Therapieerfolg vorauszusagen.

Wir verfolgen unter anderem die folgenden Fragestellungen:

  • Wie werden Emotionen im Gehirn verarbeitet?
  • Wie wird Aggression im Gehirn verarbeitet?
  • Welchen Einfluss hat die Persönlichkeit auf die Verarbeitung von Emotionen?
  • Welche Funktion kommt dem subjektiven (phänomenalen) Erleben von Emotionen zu?
  • Wie lassen sich Emotionen durch Gedanken beeinflussen?
  • Wie lassen sich emotionale Vorgänge von Gedächtnisvorgängen und von Selbstbezug (selbstreferenziellen Vorgängen) abgrenzen?
  • Wie wirken sich Emotionen auf Entscheidungsfindung und Verhalten aus?
  • Wie werden Achtsamkeit und Gedankenwandern im Gehirn verarbeitet?
  • Welche Veränderungen zeigen Patienten mit Depression, bipolarer Störung, Borderline-Störung und Alkoholabhängigkeit bei den oben genannten emotionalen Vorgängen?
  • Treten Veränderungen der Hirnfunktion bei Patienten mit affektiven Erkrankungen nur während akuter Episoden oder krankheitsüberdauernd auf? Zeigen Verwandte von Patienten mit affektiven Erkrankungen ähnliche Veränderungen wie Patienten?
  • Wie lassen sich bildgebende Verfahren zur Verbesserung der Therapie psychischer Erkrankungen einsetzen? Erlauben sie eine Individualisierung der Therapie? Erlauben sie, den Erfolg einer Therapie vorauszusagen?

(Leiter: Prof. Dr. med. Felix Bermpohl)

Transgenerationale Effekte von mütterlicher Depression und Borderline-Störung auf kindliche Psychopathologie

Jeder Mensch hat seine eigene Lebensgeschichte. Unsere Vergangenheit hat Einfluss darauf, wie wir denken und fühlen. Und sie beeinflusst, wie wir mit unseren Kindern umgehen.

In einer multizentrischen Studie untersuchen wir, wie unsere Vergangenheit sich auf unseren Umgang mit unseren Kindern auswirkt. Besonders interessiert sind wir hierbei an Müttern, die verschiedene Formen von Belastung erlebt haben, z.B. einmal eine Depression gehabt haben, an einer Borderline-Störung leiden oder in ihrer Kindheit oder Jugend belastende Lebensereignisse erfahren haben.

Um ein möglichst vollständigen Eindruck von der Mutter-Kind Beziehung zu bekommen, untersuchen wir diese mit unterschiedlichen Methoden (z.B. Fragebogen, Interviews und funktioneller Bildgebung). In Verbindung mit diesem Forschungsprojekt bieten wir ein Beratungsangebot für Mütter mit Depression oder Borderline-Störung und ihre Kinder an, welches fachliche Unterstützung im Umgang mit dem eigenen Kind liefert.

Kontakt:

Tel. 030 - 450 566 070 (mit Anrufbeantworter), Email: ubica(at)charite.de

Früherkennung und Therapie der bipolaren Störung (Bipolife)

Der Verbund Bipolife besteht aus fünf unabhängigen Studien und zwei übergreifenden Projekten. Diese werden neben unserer Klinik an acht weiteren universitären Standorten durchgeführt (Uniklinikum Dresden, Universitäten Hamburg, Marburg, Frankfurt, Bochum, Göttingen, Tübingen und München). Geforscht wird zum einen durch direkte Befragung, um spezifische Symptome psychischer Störungen (z.B. Schlafstörungen oder Ängste) zu erfassen. Anderseits werden auch genetische Untersuchungen im Blut durchgeführt. Aktivierungsmuster im Gehirn werden anhand der funktionellen Magnet Resonanz Tomographie (fMRT) erfasst. In zwei Studien, die sich mit neuartigen Therapien beschäftigen, wird einerseits eine innovative Form der Psychotherapie und anderseits eine moderne Form des ambulanten Monitorings mittels Smartphone erprobt.

Forschungsprojekte (Auswahl)

ChronoStress

Im Projekt ChronoStress wird der Einfluss von biologischen und sozialen Zeitvorgaben im Alltag auf das Wohlbefinden von Menschen und ihren individuellen Umgang mit stressigen Alltagsereignissen untersucht.

Achtsamkeit verstehen

Das Konzept Achtsamkeit stammt ursprünglich aus dem Buddhismus und bedeutet so viel wie die nicht-wertende, offene Aufmerksamkeit oder Wahrnehmung von dem, was jetzt gerade passiert. Achtsamkeit hat viele positive Effekte auf die psychische und physische Gesundheit. Dennoch haben manche Menschen mehr Schwierigkeiten damit, achtsam zu sein als andere. In unseren Untersuchungen geht es uns darum herauszufinden, worin diese Schwierigkeiten liegen. Insbesondere konzentrieren wir uns auf Achtsamkeitsdefizite bei Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung oder Menschen mit Suchterkrankung. Wir setzen verschiedene Methoden ein, um Aspekte von Achtsamkeit objektiv erfassen zu können; diese beinhalten Verhaltensuntersuchungen ebenso wie funktionelle Magnetresonanztomographie.

Forschungsambulanz Depression

Depressionen gehören weltweit zu den häufigsten Erkrankungen.

Die konsequente Behandlung der Depression kann zu einer vollständigen Heilung oder zumindest deutlichen Besserung der Symptome führen. Dennoch gibt es Patientinnen und Patienten, für die die aktuell zur Verfügung stehenden Medikamente und Therapiestrategien nicht ausreichend sind, weshalb die Entwicklung neuer Medikamente nach wie vor erforderlich und wichtig ist.

In der Forschungsambulanz Depression werden aktuell die Sicherheit und  Wirksamkeit neuer Therapieansätze untersucht.

 

Wir betreuen momentan eine Studie mit folgendem Schwerpunkt:

Studie zu kognitiver Beeinträchtigung bei therapieresistenter Depression

Empathie bei Depression - eine Verhaltensstudie

Empathie ist die Fähigkeit, sich teilnehmend in den mentalen und emotionalen Zustand eines Mitmenschen hineinzuversetzen. Sie bildet damit eine zentrale Voraussetzung für die menschliche Existenz als ein soziales Wesen. Unser Projekt hat das Ziel, Abweichungen oder Beeinträchtigungen der Empathiefähigkeit bei Patienten mit einer depressiven Episode zu identifizieren. Uns interessiert dabei insbesondere die Frage, ob diese Abweichungen oder Defizite der Empathiefähigkeit bei depressiven Patienten spezifisch sind und falls ja, wie spezifisch. Haben Depressive prinzipiell eine verminderte Empathiefähigkeit, weil während einer depressiven Episode ihre Fähigkeit Gefühle zu benennen vermindert ist? Oder haben Depressive vielleicht im Gegenteil eine besondere Fähigkeit sich in negative Emotionen hineinzuversetzen? Oder geraten sie dabei vielleicht unter außergewöhnlichen emphatischen Stress? Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen führten wir eine umfassende Testung bestehend aus diagnostischen Fragebögen, Computer-Tests und psychologischen Fragebögen, durch. Mit unserem Projekt haben wir einen bisher kaum untersuchten Gesichtspunkt der Depression erforscht, der möglicherweise bei Entstehung und Aufrechterhaltung der Krankheit beteiligt ist. Dadurch kann diese Krankheit besser verstanden und behandelt werden. Die Datenerhebung ist abgeschlossen. Die Ergebnisse stehen vor der Veröffentlichung.

ALIA-Studie (Antidepressant und Lithiumaugmentation)

Die ALIA-Studie ist eine pharmakogenetische Studie zur Responseprädiktion und Neurobiologie der Lithiumaugmentation bei unipolarer Depression. Untersucht wird, ob es genetische Varianten gibt, die zu besserem oder schlechterem Ansprechen auf eine Lithiumaugmentation führen. Als Lithiumaugmentation bezeichnet man die Zugabe von Lithiumsalzen zu einem Antidepressivum, das alleine nicht ausreichend wirksam gewesen ist. Die Wirksamkeit der Lithiumaugmentation bei therapieresistenter Depression ist sehr gut belegt und ein zugelassenes Behandlungsverfahren bei Depression. Ziel der Studie ist es genetische Marker zu identifizieren, die eine Vorhersagekraft für das Ansprechen auf die Lithiumaugmetation haben (sog. Response-Prädiktoren). Die Kenntnis solcher Faktoren könnte zukünftig in Therapieentscheidungen mit einbezogen werden und dazu beitragen die Therapie der Depression zu verbessern. Wir bieten Patienten, die nicht ausreichen auf die Therapie mit einem Antidepressivum angesprochen haben, und Interesse an der Teilnahme an dieser wissenschaftlichen Untersuchung haben, die Möglichkeit zur Behandlung in unserer Hochschulambulanz. Ein Vorgespräch kann unter 030 - 450 517 148 vereinbart werden.

Travel-Studie (Tranylcypromin versus Lithiumaugmentation)

Die Travel-Studie ist eine prospektive randomisierte Studie zur Wirksamkeit von Tranylcypromin im Vergleich zu Lithiumaugmentation bei therapieresistenter unipolarer Depression.

Früherkennung Bipolarer Erkrankung (BipoLife A1, BMBF)

BipoLife ist ein großes Forschungsnetzwerk, an welchem Universitätskliniken in ganz Deutschland teilnehmen und die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird (www.bipolife.org).

Die Bipolife A1-Studie ist eine naturalistische Langzeitstudie zur Früherkennung bipolarer Störungen. Im Rahmen der Studie erfolgt eine ausführliche Diagnostik, welche von einem Arzt oder Psychologen mit Hilfe von Fragebögen und Interviews durchgeführt wird. Unser Angebot richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15-35 Jahren, die sich Sorgen machen, eine psychische Erkrankung zu entwickeln. Es liegt zudem ein Frühwarnzeichen zur Entwicklung einer bipolaren Störung vor oder ein naher Angehöriger hat bereits eine psychische Erkrankung. Zu den Frühwarnzeichen für bipolare Störungen gehören hierbei z.B. depressive Symptome, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen oder Störungen im Tag-/Nachtrhythmus.

Nach der ersten Diagnostik erfolgt ein umfassendes Rückmeldegespräch. Zudem beraten wir die Studienteilnehmer ggf. eingehend hinsichtlich möglicher Behandlungsoptionen und vermitteln bei Bedarf auch Therapieangebote. Im Anschluss begleiten wir die Teilnehmer über 2 Jahre hinweg. Es erfolgen insgesamt 4 weitere Gespräche (nach 6, 12, 18 und 24 Monaten) um den individuellen Verlauf der Symptomatik beurteilen zu können. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, an einer MRT-/EEG-Untersuchung teilzunehmen. Die Probanden erhalten eine Aufwandsentschädigung für die Studienteilnahme.

Natürlich geben wir Ihnen gerne nähere Informationen über die Studie. Sie erreichen uns dazu per Mail: bipolar(at)charite.de

Flyer zum Beratungs- und Studienangebot zur Früherkennung bipolarer Störungen (BipoLife)

Psychotherapie für jünge Menschen mit Bipolaren Störungen (BipoLife A2, BMBF)

BipoLife ist ein Forschungsnetzwerk, an dem Universitätskliniken in ganz Deutschland teilnehmen und welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird (www.bipolife.org).

Das Teilprojekt A2 richtet sich an junge Menschen im Alter von 18-35 Jahren mit einer Bipolaren Störung, die Interesse an Gruppenpsychotherapie haben. Im Rahmen der Studie vergleichen wir die Wirksamkeit eines speziell für Bipolare Störungen entwickelten Psychotherapieverfahrens mit einem etablierten unterstützenden, weniger strukturierten Psychotherapieverfahren. Beide Verfahren haben sich in Vorstudien bei der Behandlung von Bipolaren Störungen bereits bewährt und als erfolgreich erwiesen.

Nach einer ausführlichen diagnostischen Untersuchung in der die Eignung für die Studienteilnahme geprüft wird, absolvieren die Teilnehmer an insgesamt 4 Therapietagen (innerhalb von ca. 5 Monaten jeweils ein Samstag im Monat) in einer Gruppe von ca. 4-7 Teilnehmern eines der beiden Psychotherapieverfahren. Nach Abschluss der Therapie, sowie nach 12 und 18 Monaten werden die Teilnehmer zu weiteren Untersuchungen gebeten, um den Verlauf beurteilen zu können.

Mit der Studie wollen wir jungen Erwachsenen frühzeitig einen besseren Umgang mit der Bipolaren Erkrankung ermöglichen, erneuten depressiven oder manischen Episoden vorbeugen und die Wirkungsweise etablierter und neuer Psychotherapiemethoden untersuchen.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie uns bitte per E-Mail: bipolar(at)charite.de

Flyer zur Psychotherapie der Bipolaren Störung in der Frühphase (BipoLife)

Smartphone basiertes ambulantes Monitoring von Frühwarnsymptomen und therapeutische Intervention in der Langzeitbehandlung von Bipolaren Störung (BipoLife A3, BMBF)

BipoLife ist ein großes Forschungsnetzwerk, an welchem Universitätskliniken in ganz Deutschland teilnehmen und die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird (www.bipolife.org).  

Die Bipolife A3-Studie richtet sich an ambulante und stationäre Patienten ab 18 Jahren mit einer bipolaren Störung, die bereits mehrere Krankheitsepisoden erlebt haben und sich aktuell in einer manischen, hypomanen oder depressiven Episode befinden. Ziel der Studie ist es zu überprüfen, ob durch eine smartphone-basierte Intervention mit Echtzeit-Datenerfassung neue Episoden verhindert bzw. bereits im Prodromalstadium erkannt werden können.  

Die Studienteilnehmer werden zunächst ambulant nach den Richtlinien zur Therapie von bipolaren Störungen psychiatrisch behandelt. Kann innerhalb von 6 Monaten ein dauerhafter stabiler Zustand erreicht werden, erfolgt eine Zuordnung zu einer von zwei verschiedenen Gruppen. In beiden Varianten erhalten die Probanden ein Smartphone, über welches verschiedene Informationen zum Schlaf, zu Kommunikations- und Aktivitätsmustern sowie aktuellen Beschwerden erhoben werden. Diese Informationen werden z.T. vom Teilnehmer selbst angegeben, z.T. automatisch erfasst. So werden beispielsweise die Anzahl der SMS und die Häufigkeit von Anrufen (nicht jedoch die Inhalte!) aufgezeichnet, um eine Aussage über die Aktivität treffen zu können. Die angegebenen Daten werden regelmäßig von einem unabhängigen Beobachter überprüft. In der einen Gruppe erfolgt zusätzlich bei Überschreitung einer individuell bestimmten Symptomschwelle eine automatische Benachrichtigung an den behandelnden Psychiater. Dieser kann sich dann mit dem Studienteilnehmer in Verbindung setzen, um mögliche Behandlungsoptionen zu besprechen.  

Insgesamt werden die Studienteilnehmer 18 Monate lang begleitet. Es finden zudem kurze, regelmäßige diagnostische Termine zur Überprüfung der aktuellen Beschwerden statt.

Natürlich geben wir Ihnen gerne nähere Informationen über die Studie. Sie erreichen uns dazu per Mail: bipolar(at)charite.de

Soziale Kognition, Inhibition und Emotionsregulation bei chronisch aggressiven Männern

Aggression gehört zum menschlichen Leben. Alle Menschen haben Aggressionen. Aggressionen können aber nicht immer ausgelebt werden. Wer seine Aggression nicht gut kontrollieren kann, kommt schnell in Schwierigkeiten.

Menschen haben unterschiedliche Gründe, sich aggressiv zu verhalten. Oft ist aggressives Verhalten gar nicht beabsichtigt: Menschen möchten sich gar nicht aggressiv verhalten – und es passiert ihnen doch immer wieder. Im Nachhinein wird das Verhalten bereut und der entstandene Schaden bedauert. Warum fällt es manchen Menschen trotz guter Vorsätze schwer, aggressives Verhalten zu unterlassen?  Unser Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, aggressives Verhalten besser zu verstehen und hierdurch vielleicht in Zukunft erfolgreichere Behandlungsmethoden anbieten zu können.

Klinische Verlaufsdatenbank für bipolare Patienten

Um die Entstehung bipolarer affektiver Erkrankungen besser verstehen zu, dokumentieren wir den Langzeitverlauf bipolarer Erkrankungen zu wissenschaftlichen Zwecken in unserer Bipolar-Datenbank. Wir untersuchen Gene, die an der Entstehung bipolarer Erkrankungen oder an der Vermittlung von Wirkung/ Nebenwirkungen von Medikamenten beteiligt sind. Zudem interessieren wir uns für Persönlichkeits- und Temperamentseigenschaften, die im Zusammenhang mit bipolaren Störungen gehäuft auftreten.

Metakognitives Training bei Bipolaren Störungen

Menschen mit psychischen Störungen zeigen oft Denkstile, die akute Krankheitsphasen begünstigen oder aufrechterhalten. Diese Denkstile entstehen oft automatisch und unbewusst. Sie können unsere Gefühle und Verhalten sehr prägen. Für bipolare Menschen ist es charakteristisch, dass sich die Denkmuster ändern können - je nachdem, ob sie gerade manisch oder depressiv sind.

Im Rahmen einer Studie haben wir ein Gruppentraining entwickelt, in dem wir gemeinsam mit den Betroffenen eine Sensibilität für die jeweiligen Denkmuster erarbeiten möchten. Wir haben dabei bereits bestehende Gruppenprogramme, die vorrangig von Steffen Moritz´ Arbeitsgruppe am UKE in Hamburg etabliert wurden, um bipolar spezifische Inhalte und Elemente der Achtsamkeit erweitert. Bei dem sogenannten MKT (Meta (griech.): über; Kognition (lat.): Denken/Gedanken) geht es um das "Nachdenken über das Denken". Wir möchten damit ein Bewusstsein für die automatisch ablaufenden Denkstile schaffen und den Betroffenen so mehr Handlungsspielraum ermöglichen. Wir interessieren uns in der Studie dafür, inwieweit sich Lebenszufriedenheit, Funktionsniveau und Rückfallwahrscheinlichkeit durch das Training verändern und begleiten die TeilnehmerInnen bis zu ein Jahr nach Abschluss der letzten Sitzung.

Das Training besteht aus insgesamt acht Modulen und beinhaltet Themen wie Zuschreibungsstil, übertriebene Verallgemeinerung oder Perfektionismus. Mit einer Psychotherapeutin und insgesamt 8 bis 10 TeilnehmerInnen wird in 90 Minuten jeweils einmal wöchentlich ein Modul erarbeitet. Wir richten uns mit unserem Angebot an erwachsene Menschen mit einer bipolaren Störung, die aktuell stabil sind.

Wenn Sie Interesse am MKT haben, bitte schreiben Sie uns eine Email: bipolar(at)charite.de

Kognitive Verhaltenstherapie für Menschen mit hohem Risiko für Entwicklung der Bipolaren Störung (Early CBT)

In Deutschland leiden viele Millionen Menschen unter einer affektiven Erkrankung, d.h. sie haben Phasen mit gedrückter und manchmal auch gehobener Stimmung. Der Beginn liegt oft im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter. Angehörige eines psychisch erkrankten Menschen haben ein deutlich erhöhtes Risiko, selbst eine psychische Störung zu entwickeln. Die oft späte Diagnose und Behandlung wirken sich negativ auf den Krankheitsverlauf und die Lebenswege der Betroffenen aus. Darum ist es von besonderer Bedeutung, diese Erkrankung möglichst früh zu diagnostizieren und zu behandeln.

Darum bieten wir im Rahmen einer Studie ein Gruppentraining als Frühprävention für affektive Erkrankungen. Die durch die DFG geförderte Studie erfolgt in Kooperation mit Früherkennungszentren in Dresden, Hamm, Bochum, Würzburg, Hamburg und Köln. Wir möchten untersuchen, inwieweit frühzeitige Behandlung die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von depressiven oder manischen Phasen im späteren Leben verringern kann. Dabei konzentrieren wir uns insbesondere darauf, wie sich das Funktionsvermögen im Alltag und die Stimmung verändern.

Die wöchentlichen Treffen finden in der Psychiatrischen Institutsambulanz der Charité Berlin in einer Gruppe von 3-5 TeilnehmerInnen statt und erstrecken sich über einen Zeitraum von 14 Wochen. Jedes Treffen dauert 90 Minuten und wird von einer Psychotherapeutin geleitet. Es werden aktuelle Anliegen und störungsrelevante Themen (z.B. Umgang mit Stress) besprochen und Raum für persönlichen Austausch geboten.

Wir richten uns mit diesem Angebot an junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren, die zum einen unter Stimmungsschwankungen leiden und zum anderen einen Angehörigen haben, bei dem eine affektive Erkrankung (Depression, Manie, bipolare oder schizoaffektive Störung) diagnostiziert wurde.

Neurourbanistik

Urbanisierung ist eine der relevanten globalen Veränderungen, denen die Menschheit in den kommenden Jahrzehnten ausgesetzt sein wird. 1950 lebte erst jeder dritte Mensch weltweit in einer Stadt, heute ist es schon jeder Zweite. Im Jahr 2050 werden zwei Drittel der Menschen auf der Erde in der Stadt wohnen. Gleichzeitig ist bekannt, dass das Risiko für bestimmte psychische Krankheiten, wie Depression, Angst und Schizophrenie, bei Stadtbewohnern und in der Stadt aufgewachsenen Menschen erhöht ist. Gefördert durch die Alfred Herrhausen Gesellschaft versuchen wir zusammen mit Stadtforschern und Architekten das Phänomen „Stadtstress“ zu entschlüsseln und den Einfluss, den die urbane Umgebung auf unser Verhalten und unsere Emotionen hat besser zu verstehen.

Leitung der AG Affektive Störungen

PD Dr. med. Mazda Adli

Leiter AG Affektive Störungen

Prof. Dr. med. Felix Bermpohl

Chefarzt St. Hedwig Klinik, Leiter AG Affektive Störungen

PD Dr. med. Stephan Köhler

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Leiter AG Affektive Störung, Schwerpunkt: Therapieresistente und chronische Depression

Team der AG Affektive Störungen

Dipl.-Psych. Esther Quinlivan
Stefanie Schreiter
Dr. Lena Karoline Bald
Christian Banzhaf
Lasse Brandt
Dipl.-Psych. Annika Dimitrov
Dipl.-Psych. Jana Fiebig

Christiane Katharina Gawron
Dr. Jonathan Henssler

Dr. Dorrit Herold
Dr. Catherine Hindi Attar

Dr. Anja Lehmann
Dipl.-Psych. Esther Quinlivan
Dr. Johannes Rentzsch
Dr. Nikola Schoofs
Stefanie Schreiter
Lene-Marie Sondergeld
Dr. Stephanie Spengler
Petra Stahl
Dr. Katja Wiethoff
Dipl.-Psych. Antje Wietzke
Zoé Eckert

Promovierende/ Masterstudierende/ Diplomandinnen und Diplomanden

Anna Ahrens
Philip Amann
Serpil Atasayi
Dirk Becker
Katharina Bellmann
Ines Sophie Boegen
Sandra Bopp
Malwina Bruckner
Marlene Busche
Woo Ri Chae
Yvonne Decker
Felix Dietz
Alice Dingelstaedt
Zoé Eckert
Jonathan Eggers
Sarah Enge
Charlotte Faverio
Nina Fodaro
Sebastian Gaus
Sonja Gröpper
Paula Haffner
Timm Hendrik Häbel
Nora Karara
Darja Kisser
Julia Kleeblatt
Jule Kling

Ulrike Kronberg
Katarina Mravak
Jenny Neubecker
Katharina Ohrnberger
Anna-Luisa Paetz
Jenny Parnack
Delia Pliquett
Sina K. Poppinga
Laura Reggiannini
Neele Staak Ridder
Jones Rote
Maria Roth
David Saiger
Hannah Scheibner
Caroline Schneider
Lisa Schulte
Florian Seyfarth
Olga Shmuilovich
Elisa Strasser
Heiner Stuke
Sarah Swenshon
Kristin Trapp
Tatiana Usnich
Corinde Wiers
Anna Willert
Korina Winter